Dr. Heinz und Anita Lütke Stiftung - Im Ohl 64 - D 58675 Hemer
Dr. Heinz und Anita Lütke Stiftung
Dr. Heinz and Anita Luetke Foundation
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Aktualisiert am 13.08.2010



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Spk. Märkisches Sauerland,
Hemer-Menden
BLZ 445 512 10

Der Lebenskreis eines außergewöhnlichen Menschen hat sich geschlossen.
Am 29. März 2010 verstarb Dr. med. Heinz Lütke, der Gründer der international tätigen Stiftung, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und zahlreicher Ehrungen, im Alter von 95 Jahren.

Dr. Heinz Lütke wurde am 25.06.2007 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet


Dr. Heinz Lütke mit Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung in Maram/ Nordostindien
Reise eines 92-jährigen zu fast unbekannten Stämmen im Vorgebirge des Himalaya
Ein kurzer Reisebericht über die Reise nach Indien. Der 92-jährige Hemeraner, Dr. Heinz Lütke, Gründer der Dr. Heinz und Anita Lütke-Stiftung und vielen Menschen in seiner Heimatstadt noch als praktischer Arzt bekannt, reiste auch in diesem Jahr wieder zu von seiner Stiftung unterstützten Studenten.
Ziel des diesjährigen Besuches waren Anfang Februar dieses Jahres die in Rom studierenden schwarzafrikanischen Stipendiaten und im Herbst vier Bundesstaaten im äußersten Nordosten Indiens. Diese Staaten gelegen in bis zu 1200 m hohen Vorbergen des Himalayas grenzen an China, Myanmar (Burma) und Bangladesh. Die Infrastruktur in diesem riesigen, dünnbesiedelten Gebiet, in dem 42 unterschiedliche Stämme in kleinen Dorfgemeinschaften leben, ist teilweise denkbar schlecht. Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts fanden Stammeskämpfe dort statt. Kanibalismus - zwar von der indischen Regierung verboten - wurde dabei nicht selten praktiziert. Es waren Salesianer, Mitglieder eines kath. Ordens, die in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in diesem Gebiet die ersten Schulen gründeten und versuchten den Menschen beizubringen, die Erträge ihrer kleinen Felder und Gärten über den täglichen Bedarf hinaus zu steigern, Überschüsse zu erwirtschaften und zu verkaufen, evtl. Gemeinschaftsbankkonten für Dörfer anzulegen und den Umgang damit. Es ist ein langwieriger immer noch dauernder Prozeß. Heute werden die Patres unterstützt von jungen Menschen, die an ihren Schulen ausgebildet wurden. Sie gehen in die Dörfer und lehren vor allem die Frauen, wie wichtig ein Mindestmaß an Hygiene ist, aber auch den Umgang mit Bankkonten. In den letzten Jahren gründeten die Salesianer Don Bosco an verschiedenen Standorten Colleges, in denen inzwischen Jungen und Mädchen aus den unterschiedlichen Stämmen studieren, viele schon einen Abschluß machten und inzwischen einen guten Job gefunden haben. Hier leistet die Dr. Heinz und Anita Lütke Stiftung, in dem sie Stipendien vergibt, große Hilfe. So war es auch nicht verwunderlich, dass Dr. Lütke und seine beiden Begleiter aus dem Vorstand der Stiftung, Herr Dörrich, Geschäftsführer, und Frau Weber nach ihrer Landung in Guwahati, der Hauptstadt des Bundeslandes Assam, begeistert empfangen wurden. Vor dem Don Bosco Institute, einem Zentrum für Weiterbildung von Lehrern und Sozialarbeitern, direkt am Ufer des mehrere Kilometer breiten Brahmaputras gelegen, tanzten Jungen und Mädchen in ihren Trachten Tänze ihrer Stämme, zeigten Dr. Lütke ihre Dankbarkeit mit ihren Gesängen. Schon in der Frühe des nächsten Tages begann für Dr. Lütke und seine Begleiter eine weite Reise in einem Jeep durch die Assam Plains. Der Name Assam leitet sich ab von einem Thai Volk Ahom oder Ahamiya, das im Brahmaputra-Becken die Vorherrschaft errang. Der ursprüngliche Name dieses Gebietes Kamarupa - schön wie die Liebe - trifft den Charakter dieser abwechslungsreichen Landschaft sehr gut. Zunächst auf asphaltierten Straßen vorbei an leuchtend grünen Reisfeldern oder Teeplantagen erreichten sie gegen Mittag Tezpur, wo sie vom dortigen Bischof, der Dr. Lütke seine Dankbarkeit für die Hilfeleistungen ausdrückte, empfangen wurden. Früh setzte bei der anschließenden Fahrt die Dämmerung ein. Schwarz hoben sich die gezackten Berge am Rande der weiten, grünen Ebene vor dem in vielen rot-orange glühenden Tönen des Himmels ab, als sie die Straße ins Gebirge erreichten.
Auf der steilen, kurvigen Straße wechselte der Fahrer im Licht einer Taschenlampe den ersten Reifen. Bei der Weiterfahrt tasteten die Scheinwerfer den von tiefen Furchen durchzogenen, steinigen Weg ab, blieben an aus geflochtenen Bastmatten errichteten Wohnhütten hängen, strahlten Menschen an, die hier zu Fuß unterwegs waren. Am Rande Itanagars, der auf vielen Hügeln erbauten Hauptstadt des Bundesstaates Arunachal Pradeshs, liegt das Don Bosco College. Hier wurden Dr. Lütke und seine Begleiter von Pater Dr. Sebastian, dem Direktor, von Lehrern und Stipendiaten erwartet. In einem Klassenraum wurde ein landestypisches, sehr wohlschmeckendes Abendessen serviert, dabei erzählte man sowohl von den großen Erfolgen der Studenten als auch von den Schattenseiten - das Wohnhaus der Patres und einiger Lehrer war erst vor wenigen Tagen von dem Sohn eines Stammeshäuptlings und seiner Helfer überfallen, ausgeplündert und völlig zerstört worden. Die Bewohner konnten sich nur durch einen Sprung aus dem rückwärtigen Fenster 7 m in die Tiefe und anschließender Flucht retten. Noch an diesem Abend lernte Dr. Lütke einige seiner Stipendiatinnen, die aus unterschiedlichen Ethnien kommen, kennen. Sie erzählten sehr zielbewußt von ihren beruflichen Vorstellungen, aber auch vom Leben in ihren Dörfern. Um ihre Heimatdörfer zu erreichen, sind sie zwischen 2 und 5 Tagen unterwegs. So ist es selbstverständlich, dass sie während ihres Studiums in einem angeschlossenen Internat leben.
Da die Menschen begriffen haben, dass eine gute Schulbildung eine Voraussetzung für ein besseres Leben ist, drängen immer mehr junge Menschen zu Schulen und Colleges. So musste das erst vor 3 Jahren eröffnete College um ein 3-geschossiges langgestrecktes, von Dr. Lütke initiiertes Gebäude erweitert werden. Alle Absolventen des letzten Jahres schlossen ihr Studium erfolgreich ab und bestanden mit hervorragenden Noten die Aufnahmeprüfungen für weiterführende Universitäten. Im Beisein des Erziehungsministers des dortigen Bundesstaates Mr. Joram Begi, Vertretern der staatlichen Radshif Ghandi Universität, Itanagars, an die das College auf Grund der sehr guten Leistungen der Schüler und Lehrer dauerhaft angeschlossen ist, sowie 400 weiteren Ehrengästen eröffnete Dr. Lütke das Gebäude (es war der eigentliche Grund für diese Reise) und der Ökonom Pater Joseph, der die kleine Gruppe auf der ganzen Reise begleitete, weihte das Gebäude. Sowohl der Erziehungsminister wie auch Professoren würdigten Dr. Lütke und seine Stiftung, dankten für die große Hilfe, die die Studenten durch ihn erfahren. Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten tanzten auch hier wieder junge Menschen ihre Stammestänze, trugen dabei die wunderschönen, handgewebten Gewänder ihrer Stämme. Ihre Ehrerbietung und große Dankbarkeit drückten sie in einem für Dr. Lütke getexteten und komponierten Lied aus. Hier und bei anderen Veranstaltungen hielt Dr. Lütke frei ohne hilfreiche Notizen seine Reden, in denen er immer wieder die Studenten motivierte, ihre Studien gewissenhaft und zum Wohle ihrer Stämme zu betreiben.
Dabei fungierte Herr Dörrich als hervorragender Übersetzer. Erst im letzten Moment erhielt die Reisegruppe ein dringend für die Durchreise des Bundesstaates Nagaland benötigtes Transitvisum. Die angespannte Sicherheitslage im Nordosten Indiens, in den von Süden, von Bangladesh her immer mehr Moslems eindringen, erfordert selbst für indische Reisende Sondervisa, die ein Salesianer Pater aus Kohima mit unzähligen Telefonaten und vielen Besuchen bei den Behörden für die Gruppe erlangte.

Studentinnen bei der Begrüßung in Itanagar/ Nordostindien

Als Zeichen des herzlichen Willkommens wird in Itanagar/ Nordostindien ein Schal überreicht

Mit Zwischenstops in Dimapur, Kohima, Mao-Panamai, wo Dr. Lütke den Grundstein für eine neue Schule legte - die alte Schule und das gesamte Dorf waren durch einen Bergrutsch zerstört worden - erreichten Dr. Lütke und seine Begleitung nach 2 tägiger Autofahrt durch eine landschaftlich besonders reizvolle Gegend, u. a. durch ein Naturreservat, aber auf denkbar schlechten Straßen und Wegen das Don Bosco College in Maram, wo die Lütkestiftung zur Zeit 50 Stipendiaten in 2 unterschiedlichen Jahrgängen das Studium finanziert. Wie auch Itanagar so besuchten Dr. Lütke und seine Begleiter schon 2005 Maram und die dortigen Studentinnen und Studenten und wie damals wurde Dr. Lütke wieder mit einem großartigen Kulturprogramm geehrt. Studentinnen und Studenten des Colleges zeigten ihre künstlerische Begabung durch eine farbenfrohe, sehr engagierte Aufführung des Musicals "The Miracle Man". Die Musik zu Episoden aus dem Leben Christi wurde von einem jungen Mann aus dem Nagastamm komponiert. Auch dieses Don Bosco College hat weit über die Grenzen des Bundesstaates einen sehr guten Ruf und ist der Indira Ghandi International Open Universität angegliedert. Pater Jose, der Leiter dieses Colleges, ein sehr charismatischer Mensch, sorgt dafür, daß sich die jungen Menschen ihrem Stamm und ihrer Herkunft verpflichtet fühlen. So ist für alle Studentinnen und Studenten - inzwischen studieren in Maram über 1500 Jugendliche - verpflichtend, in unterschiedlichen Kursen auch die Kenntnisse für einen ortsüblichen Beruf zu erwerben. Eine interessante Ausstellung mit Objekten aus den Ausbildungswerkstätten - vor allem wunderschöne, farbige handgewebte Stoffe, Holzschnitzereien und Papierarbeiten wurde durch Dr. Lütke eröffnet. Ebenso wie in Itanagar wurde Dr. Lütke auch hier begeistert gefeiert und gebeten, trotz seines Alters im nächsten Jahr wiederzukommen. Zum Abschluß traf Dr. Lütke mit der alten Stammeskönigin der Maram-Naga anläßlich seines Besuches in Maram-Khullen zusammen. Da diese Königin nur ihren Nagadialekt beherrscht und ein Mann ihres Hofstaates, der als Dolmetscher fungierte, kaum der Englischen Sprache mächtig war, konnte Dr. Lütke ihr nicht erklären, dass die Lütkestiftung an Partneruniversitäten und Hochschulen in Indien, Philippinen, Argentinien, Bolivien und Rom (für Schwarzafrikaner) Stipendien unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion und Geschlecht vergibt. Dank seines unbeugsamen Willens und seiner robusten Konstitution kam Dr. Lütke auch diesmal wieder wohlbehalten nach Hemer zurück.
     
Stipendien
Seit vielen Jahren unterstützt Herr Dr. Lütke persönlich ein Schulzentrum in Dapitan/ Philippinen. Die Stiftung förderte die schulische Ausbildung von Jungen und Mädchen in Dapitan im Jahr 1998 mit insgesamt 20.041,01 DM. Insgesamt 38 Stipendiaten erhielten 1998 eine Studienbeihilfe. Davon absolvieren 36 Stipendiaten eine Ausbildung im "College- " und "High School - Bereich". Zwei Lehrer der Schule werden beim Erwerb einer weiterführenden Ausbildung gefördert. Die Arbeit der Stiftung wird vor Ort von einem eigenen Komitee unter Leitung von Frau Irene Acaylar begleitet, das auch die Stipendienanträge vorlegt und die Abwicklung durchführt.

Ein weiter Partner der Stiftung ist die Salesianerniederlassung in Bahia Blanca/ Argentinien. Sie betreut 18 junge Menschen, die in verschiedenen Ausbildungseinrichtungen eine Ausbildung absolvieren, zumeist in pädagogischen Fächern. Die Stipendiaten werden in der Mehrzahl später als Lehrer tätig werden. Einige planen eine weiterführende Ausbildung im technischen Bereich. Die Stiftung stellt Beihilfen für die direkten Ausbildungskosten und den Lebensunterhalt ihrer Stipendiaten bereit, die alle in einem Wohnheim untergebracht sind. Die Hilfe der Stiftung und der Salesianer Don Boscos ist für begabte Jugendliche aus dem ländlichen Bereich die einzige Möglichkeit, eine weiterführende Ausbildung zu absolvieren.
Die Aufnahme von 13 Stipendiaten an der Salesianeruniversität Blas Canas in Santiago de Chile beruht auf Anträgen des Leiters der Universität P. Leonardo Santibanez und einem persönlichen Kontakt von Herrn Dr. Lütke anläßlich einer Projektreise im November 1995. Bereits damals wurden DM 5.000,00 von Herrn Dr. Lütke übergeben. Auf weiteren Reisen wurde der direkte Kontakt zur Universität Blas Canas und den Stipendiaten vertieft.

Eine besondere Form der Hilfe gibt die Stiftung an sechs Stipendiaten, die an der "Universita Pontificia Salesiana- UPS" in Rom eine Ausbildung absolvieren. Hier handelt es sich in besonderer Weise um "Multiplikatoren", von denen drei aus Entwicklungsländern und weitere drei aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien kommen. Die drei Stipendiaten aus Bosnien/ Kroatien, die an der UPS eine weiterführende Ausbildung absolvieren, wollen später vor allem mit durch den Bürgerkrieg traumatisierten Kindern arbeiten. Sie werden in 1999 ihr Studium (Psychologie und Sozialarbeit) abschließen.